Wozu Kabbala?

Was uns Menschen durch alle Offenbarungen verheißen wird, sind Erlösung, Heil, Weisheit und Seligkeit – die Fülle des Lebens. So ist es Jesus, der uns versichert: >>Ich will euch die Fülle des Lebens geben.<< In Anbetracht der Einsamkeit, der Verzweiflung und Leere, die uns überall umgeben, werden viele sagen: >>Ja, er hat es versprochen, hat es aber nicht gehalten.<< Wir fühlen uns betrogen. Was heißt aber Leben? Ist es die Reizüberflutung, die Überschwemmung unserer Sinne, ist es das Streben nach Karriere, oder sind es die Dinge, die uns umgeben? Nein, es ist die Fülle unseres eigenen Selbst; es liegt in der Freude, der Liebe, dem Licht, der Tiefe, den Reichtümern am Grunde der eigenen Seele.

Wir selbst sind es, die uns betrogen haben, indem wir unser eigenstes Wesen, unsere innerste Natur verrieten. Indem wir außen suchen , unsere Erfüllung von Dingen, Personen und äußeren Erlebnissen abhängig machen, unser inneres Potential gegen äußere Dinge, gegen Vergängliches eintauschen und damit uns an die Welt verlieren, entfernen wir uns mehr und mehr von uns selbst und damit von dem Quell unserer Kraft und unseres Lebens, denn verlorenes Paradies, verheißenes Land und >>Himmelreich sind inwendig in uns<<.

Wahres Leben ist nicht äußerer Glanz, schrilles Gelächter, noch gehetztes Jagen nach Reizen und Abenteuern, sondern die feine, unendliche Kraft im Innern alles Geschaffenen. Es ist jene Kraft, jenes Licht, das den ganzen Kosmos, das ganze unendliche All um uns durchströmt, uns umfangen, durchfluten und um Herzen erfassen will. Solange wir aber an den Dingen, an Karriere, Ruhm, Macht, Anerkennung hängen, wird das große Leben, das Abenteuer des inneren Lebens und seiner Erforschung, an uns vorbeiziehen. Es liegt also an uns, uns ihm zu öffnen. Dann wird es auch zu uns kommen: >>Klopfet an, so wird euch aufgetan.<< – >>Bittet, so wird euch gegeben werden.<<

All die alten Lehren und Werke der großen Eingeweihten wie Imhotep, Mose, Pythagoras und Jesus sind nicht nur nicht verstanden, oder fruchtbringend fortgeführt, sondern oft verstellt, verdreht und missdeutet worden, so dass uns ihr Licht heute kaum noch zugänglich ist. Auch die Geschichte der institutionellen Träger dieser Lehren hat viele enttäuscht: Kreuzzüge, Verfolgungen, Massaker, Verbrennungen im Namen des Herrn sind nur einige der Schatten unserer abendländischen Kultur. Doch all dies sind Werke des Menschen, Zeugnisse seiner Unvollkommenheit, seiner Schwäche, Ich-Sucht, seines Wahns und seiner Verfehlungen.

Hierbei bleibt der innere Gehalt der großen Lehren, Licht und Leben, wie die Wahrheit selbst, von diesen Vorstellungen, Missdeutungen und Verfehlungen des Menschen unberührt. Nach wie vor strahlt sie aus den Quellen hervor, geduldig harrend, endlich sehende Augen und verlangende Herzen zu finden, die sie erhellen, erleuchten und laben darf. Jenes Licht, jenen Kern unserer jüdisch-christlichen (abendländischen) Tradition, der uns unter dem Namen Kabbala überliefert ist, etwas mehr herauszuschälen, sicht- und erfahrbar zu machen, ist Anliegen dieses Themas auf dieser Homepage.

Die Kabbala, jene uralte, sowohl umfassende, als auch tiefe Lehre, Teil der ewigen, lebendigen Lehre im Strahlenkranz der Wahrheit selbst, ist nicht nur Kern der jüdischen Mystik, sondern Wurzel aller Religionen überhaupt, insbesondere des Juden- und Christentums. Sie enthält einen umfassenden Schlüssel, dessen Symbolik und Gültigkeit jenseits der einzelnen Religionen und ihrer Grenzen liegt! Wenn wir seine Symbolik entfalten, offenbart er in dieser Entfaltung nicht nur die ganze Vielfalt der Aussagen und Symbole der verschiedenen Religionen und Lehren, sondern erschließt er uns auch Sinn und Bedeutung deren verschiedener Entsprechungen und Analogien.

Wie bereits angesprochen, können wir die Kabbala zusammen mit dem Tantrismus als gemeinsame Wurzel aller Religionen und Lehren sehen, welch letztere sich nur als verschiedene Zweige des einen Baumes der Wahrheit und des Lebens erweisen, einer Wurzel, die selbst tief eingegraben ist in den Bannkreis Seines unendlichen Seins, umspült und bewässert von der Aura, dem Lichtkranz der ewigen Wahrheit selbst. Wie der Tantrismus (mitsamt den Veden) der Wurzelstock des Orients, ist die Kabbala der des Westens.

Gegenüber der äußeren Tradition jeder Religion, die die sozialen Gefüge, ihre Ordnung, ihre Ethik, Kultur und Lebensweise prägte, ja geradezu die Grundlagen der Zivilisation bildet, ist die Kabbala innere, esoterische Tradition. Sie spielte sich im Innersten der Tempel und Synagogen, in der Stille der verborgenen Schulen und vor allem in den Herzen der Eingeweihten, der Mystiker, ihrer Schüler, in der Wesenstiefe aller wahrhaft Suchenden und Handelnden ab. Ihre Spuren finden wir in den Seelen und Werken jener Menschen, die Offenbarung ihrer Lehre in den Worten und dem Wirken – dem Zeugnis – ihrer Meister.

Dies ist entweder mündlich oder schriftlich, in gelebter oder dokumentarischer Form weitergegeben worden. Neben den Grundwerken und Heiligen Schriften – zu denen vor allem der Sohar und die Werke Isaak Lurias zählen – finden wir heute jedoch eine Menge von Büchern nicht nur höchst unterschiedlicher Qualitäten, sondern auch unterschiedlicher Lebensnähe und Praktikabilität. So gibt es eine Menge Schriften, die – obwohl von ihrem Gehalt her gut – in solch abstrakter oder komplizierter Form gefasst sind, dass sie für die meisten Menschen kaum verständlich sind.

Wenn ich nun an dieser Stelle erneut über Kabbala schreibe, so geht es mir nicht darum, noch ein Werk zu der bestehenden Literatur hinzuzufügen, sondern, aus ihrem unerschöpflichen Reichtum und ihrer Tiefe schöpfend, eine Lebensorientierung und Wegweisung zu skizzieren, die – in eine zeitgemäße, möglichst lebensnahe Form gefasst – leicht fassbar und im täglichen Leben nachvollziehbar ist. Tatsächlich ist die Kabbala eine so große Lehre, ein so großer und umfassender Weg, dass sie nur mit wirklichem Ernst und echter Hingabe, nicht aus Neugier oder Faszination am Außergewöhnlichen oder Okkulten studiert und erarbeitet werden soll. Wer >>Okkultes<<, oder >>Magisches<< sucht, wird es hier nicht finden.

Worum es hier vorwiegend geht, ist – wenn wir es zulassen und wünschen – uns in unserem Herzen und unserem Wesen von ihrem Geiste erfassen und verwandeln lassen. Wegweiser dieser inneren Wandlung zu sein, erhofft sich das Geschriebene auf dieser Homepage.

Wer immer sich ihr zuneigt, tue dies also in einer Haltung, die gewährleistet, dass die ausgestreute Saat im eigenen Leben Früchte tragen möge.

Quelle : Heinrich Elijah Benedikt
Die Kabbala – Als jüdisch – christlicher Einweihungsweg

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