Im Schein des Seins

copyright by Roland T. Schneider

 

Armenes lernt die Liebe

Band 1 – Geburt in die Ungewissheit
Leseprobe

Vorwort

Die Buchreihe „Im Schein des Seins“, erzählt von Armenes, dem kleinen Bruder des Liebesengels Amors, der verstehen und lernen möchte, warum es auf der Erde, soviel Gewalt, Kriege, Betrügereien und einen so starken Mangel an Liebe gibt.

Um dies verstehen zu lernen, beschließt er sich auf ein außergewöhnliches Experiment ein zu lassen und willigt ein, als Mensch unter den Menschen zu inkarnieren.

So wird also Armenes als ein “gewöhnlicher“ Menschenkind-Junge geboren, der in unserer heutigen Neuzeit allmählich beginnt, sich als Engel Gottes wieder zu erkennen. Er sieht die Welt mit anderen Augen, da er diese aus „himmlischer Sicht“ betrachtet, erfährt und erkundet. Hierbei stehen ihm geistig die zwei Engel „Sephilia“, die Meisterin der Vorbildlichkeit und „Ramirez“, der Meister des Unfugs ständig zur Verfügung.

Bis zu seinem 18. Lebensjahr wächst Armenes ganz gewöhnlich auf. Er kommt in die Schule, verliebt sich das erste mal, gerät ungewollt in seine erste Schlägerei, und lernt auch seine erste Freundin kennen. Eines Tages hört er ganz deutlich eine innere Stimme, die ihm zuruft und ihn einlädt in der heiligen Schrift zu lesen. Daraufhin erwacht in ihm ein Geist, der in dazu bewegt, alles dafür zu machen, damit es den Menschen besser und freiheitlicher geht und dass es mehr Liebe untereinander gibt und der Weltfrieden erreicht wird.

Auf seinem Weg fängt er langsam an, sich zu erinnern, woher er kommt und wer er eigentlich ist. Doch wie kommt er damit zurecht, wenn er die Welt mit anderen Augen sieht als die anderen Menschen, die seine Sicht der Dinge nicht nachvollziehen und verstehen können?

Als Mensch gewordener Engel, geboren in einer Welt von Menschen, die oftmals in Schizophrenie zwischen Alltags- und Privatleben taumeln, versucht er alles, um den Menschen die göttliche Liebe wieder zu bringen. Dabei begegnet er Denkweisen, die er als ein WIR-Wesen bisher noch nicht kannte und gerät dabei an Wesen, die sich vom Ganzen abgetrennt fühlen und als ICH-Wesen agieren. Er erlebt Menschen, die hin und her gerissen sind zwischen einer Beziehung zum anderen Geschlecht als verantwortungsbewusster treuer Partner einer Zusammengehörigkeit, oder einem begehrenswerten Individuum für die Allgemeinheit zum Zwecke der Selbstbestätigung.

Wie wird dieser Liebesengel, geboren in unserer heutigen Zeit des in Mode gekommenen Ehebruchs Anklang finden unter den vielen Zechprellern, Lügnern, Drogenhändlern, Politikern, und der Kirche?

Wie alle anderen Menschen auch, wird auch Armenes zuerst von Schule, Gesellschaft und Arbeit dazu gedrängt, um später einmal wie ein maschinelles Produkt für die Finanzsklaverei als Arbeitskraft funktionieren zu können, jedoch stellt er sich dabei häufig die Frage, ob das Leben nicht noch mehr zu bieten hat und ob das wohl schon alles sein kann. Mit dem Gedanken bis zur Rente immer nur arbeiten gehen zu müssen ist er sehr unbefriedigt und er möchte anstatt nur mit ansehen zu müssen, wie es Drangsal, Gewalt, Unehrlichkeit, Gewalt und viele anderen üblen Handlungen in der Welt gibt, unbedingt diese zum Wohle der Menschheit in etwas besseres verändern. Mit seinem Drang, die Welt zu verbessern, stößt er jedoch immer wieder auf Widerstand, selbst wenn er den Mitmenschen nur mit Rat und Tat beistehen möchte. Mit jedem guten Willen, den er vollbringen möchte und mit jedem Versuch über sich hinaus zu wachsen, erntet er anfangs Spott, Gelächter und Tritte in den Hintern. Auf seinem Weg zum Weltfrieden und auf seiner Suche nach der wahren Liebe und der wahren Freude des Herzens, wollen wir nun unseren als Mensch inkarnierten Liebesengel begleiten.

Der Autor wünscht nun dem Leser viel Vergnügen beim Lesen des ersten von drei Bänden dieser Buchreihe, dankt allen Personen, die an der Veröffentlichung mitgewirkt haben und spricht den höchsten Dank an meinen heiligen Vater GOTT den ALLLiebenden aus, der diese Seiten erst ermöglicht und inspiriert hat.

1. Der Tempel der Projektionen

Ein neuer morgen brach an im Reiche des ewigen und wie eine Knospe, die sich langsam öffnet, entfalteten sich die ersten Sonnenstrahlen, die eine Farbenpracht, ähnlich eines Blumenmeeres in die Atmosphäre zauberten.
>>Amor? Bist du schon wach?<<, fragte ein kleines, schimmernd strahlendes Wesen mit seinen kindlichen Zügen, den schlafenden Liebesengel, der eingemummt in seine prächtigen Flügel, die wie die Schwingen eines Schwanes aussahen, regungslos da lag.

Langsam öffneten sich die Flügel und unter raunenden Geräuschen, die er von sich gab, während er sich gähnend streckte, kam ein verschlafenes Gesicht zum Vorschein. Die Gesichtshaut wirkte so glitzernd im morgendlichem Dämmerlicht, als wie wenn sich darauf Regenbogen erzeugende Kristalle befänden, die durch die Sonne reflektiert werden.

Mit halb geöffneten und müden Augen fragte er schlaftrunken und noch total zerknittert,
>>was ist denn Armenes? Warum weckst Du mich denn schon in aller Herrgotts Früh?<<

>>Hast Du es denn etwa schon vergessen?<<, erwiderte Armenes mit einer total aufgebrachten Stimme.
>>Heute ist doch mein großer Tag!<<, gluckste er fröhlich.

>>Wie könnte ich denn vergessen, dass du heute etwas außergewöhnliches zu sehen bekommst, wo doch ich es dir schließlich zeigen soll?<<, antwortete Amor mit leicht verwundertem Gesichtsausdruck, kopfschüttelnd. >>Trotzdem hättest du mich wenigstens erst ausschlafen lassen können!<<, sagte er grummelnd.

>>Tut mir leid, ich war so nervös auf den heutigen Tag, dass ich es nicht mehr abwarten konnte, bis du endlich von alleine wach wirst<<, sagte Armenes. >>Aber jetzt bist du ja wach, also können wir dann los gehen?<<

>>Geduld, geduld!<<, bremste ihn Armor. >>Bevor ich dich in die Projektionsanlage bringen kann, möchte sich doch erst noch der Ältestenrat der 24 Weisen, wie besprochen zusammen finden, um mit dir das Ritual, der Einweihung zu zelebrieren.<<

>>Stimmt, das hattest du ja erwähnt.<<, antwortete Armenes, sich wieder erinnernd. >>Na dann los! Worauf wartest du noch? Ruf sie doch endlich zusammen, damit wir los legen können!<<

>>Ja gut, ich mach ja schon.<<, sagte Armor in einem beruhigendem Ton, während er einen intensiv ozeanblau leuchtenden Kristall aus seinem Engelsumhang zog.

Nun berührte er den Kristall nacheinander mit seinem rechtem Zeige-, Mittel- und Ringfinger, woraufhin sich das leuchtende blau, in ein milchiges Weiß verwandelte.

>> Verbindung zu den 24 Ältesten herstellen!<<, befahl

Amor ihm und auf einmal erschien darin ein Bild, als wäre er ein tragbarer Fernseher. Mehrere Männer, mit langen grauweißen Rauschebärten waren zu sehen, die wie im Chor sprachen: >>Was gibt es?<<

>>Unser kleiner Schützling ist so weit. Er möchte seine Einweihung erhalten.<<, sagte Amor, mit dem Kristall sprechend.

>>Gut, dann teleportieren wir uns gleich zu euch rüber, um das Einweihungsritual zu praktizieren.<<, hörte man von den 24 Ältesten wie aus einem Mund gesprochen, noch bevor der Kristall wieder sein ursprüngliches leuchtendes blau annahm.

Plötzlich, nur ein paar Meter von Amor und Armenes entfernt, erschien wie aus heiterem Himmel ein bunter, sich drehender Spiralwirbel, aus dem grelle Blitze zuckten. Ein lauter Knall ertönte, Nebel breitete sich aus und so plötzlich, wie er erschienen ist, war der Wirbel auch schon wieder verschwunden und es standen 24 alte Männer, in langer weißer Kleidung da, die von ihrer Aura her so gleißend hell leuchteten, als würde man in die Sonne schauen.

>>So, da sind wir. Lasst uns mit der Zeremonie beginnen!<<, sagte einer der 24, mit einem liebevollem Lächeln im Gesicht.

Er schnippte einmal kurz mit seinen Fingern und ein großartiges Schauspiel begann. Ein wunderschöner Regenbogen, dessen Farben sich anfingen, wild ineinander zu vermischen und zu wechseln, bis sie letztendlich zu einem kräftigen Violett wurden, erschien am Himmel. Sterne fingen an, in diesem Regenbogen nun auf zu tauchen, die, wie es aussah die violette Farbe völlig in sich aufsaugten. Je mehr sie davon in sich aufnahmen, umso größer wurden sie dabei und als eine bestimmte und gewaltige Größe erreicht wurde, begannen sie, wie ein Windspiel im Sturm umher zu zucken und wild in der Luft zu hüpfen.

Noch einmal schnippte der Alte Mann, woraufhin die Sterne explodierten und daraus unzählig viele Tiere und merkwürdigste Gestalten in allen möglichen intensiv wirkenden Farben, wie ein Feuerwerk am Himmel sich abzeichneten und schließlich mitten auf die Versammlung herabstürzten. Wunderschöne weiße Tauben, Paradiesvögel, aber auch Wesen, die sich ein Mensch gar nicht vorstellen kann, kamen wie in einem Kamikaze Angriff, direkt auf Amor, Armenes und die 24 Ältesten zu.

Armenes hechtete sich erschrocken auf den Boden, als die Geschöpfe sich im Sturzflug bis auf ein paar Meter über ihren Köpfen näherten. Kurz vor der Kollision jedoch lösten sie sich mit einem ploppendem Geräusch auf einmal in Luft auf.

auge gottes

Armor und die Alten Männer brachen in schallendes Gelächter aus, während Armenes hochrot anlief, während er sich vorsichtig wieder aufrichtete.

>> Ich wusste, dass sie mir nichts machen würden, habe mich nur aus Reflex auf den Boden geschmissen.<<, stammelte er verlegen und sich selbst verteidigend, woraufhin die anderen erst recht lachen mussten.

>>Ja, ja – ist schon gut! So reagieren fast alle, wenn die Wesen der Projektion des gebremsten Lichts auf sie zu rauschen.<<, sagte ein anderer der 24 alten Männer kichernd.

>>Weißt du denn Armenes, warum wir dir hier das gerade erlebte Spektaktel gezeigt haben?<<

>>Keine Ahnung, vielleicht, weil es toll aussieht?<<, erwiderte er, fragend und schulterzuckend.

>>Nein,Eher weil wir dich damit erschrecken wollten!<<, gluckste der Alte kichernd. –

>>Jetzt aber mal Spaß beiseite. Diese Projektion haben wir dir gezeigt, damit du schon einmal einen kleinen Vorgeschmack darüber bekommen kannst, wie unsere Projektionsanlage arbeitet, die dir heute gezeigt wird. In dieser

Anlage werden Dinge und Wesen erschaffen, die zu einer täuschend echten Illusion werden, obwohl sie nur Bilder sind, die in das Bewusstsein hinein projeziert, bzw. von diesem empfangen werden. Im Tempel, wo sich die Anlage befindet, kann dir das Armor dann noch genauer erklären.

>>Uih, dass hört sich ja wirklich spannend an.<<, sagte Armenes begeistert. >>Und aus was sind diese Projektionen gemacht?<<, fragte Armenes neugierig.

>>Das ist eine sehr gute Frage! Schön, dass dich das interessiert.<<, erwiderte ihm einer der Ältesten begeistert.

>>In unserem Reich, des ewigen Lichts besteht alles aus Licht, auch wir sind aus Licht und befinden uns als Lichtwesen innerhalb des Lichts. Deswegen kann in unserer Ebene außerhalb des Lichtes nichts existieren, weil alles und jeder Licht ist. Möchte man aber etwas anderes haben, das nicht als Teil seiner selbst auf einen einwirkt, so wie diese Wesen, die als etwas von dir „getrennten“ auf dich zu kamen, dann braucht man etwas anderes wie unser Licht, also etwas, das nicht Licht ist.

>>Uff, das hört sich aber kompliziert an!<<, stöhnte Armenes fragend drein schauend.

>>Wenn man es das erste mal gehört hat, klingt es wirklich etwas kompliziert, aber wenn es einem genauer erklärt und schließlich dann auch im Tempel der Projektionen gezeigt wird, wie es genau funktioniert und vor allem, wie es sich auch äußert, dann kann man es verstehen und seine Genialität erkennen.>>, beruhigte ihn der Älteste.

>>WIR Ältesten zum Beispiel bilden eine Einheit, egal, wer von uns spricht. Jeder einzelne von uns ist gleichzeitig auch mit allen anderen zusammen vereint. Deswegen spielt es auch keine Rolle, wem von uns du eine Frage stellst und wer dir von den 24 antwortet, weil WIR wie EINE PERSON sind! Genauso, sind wir auch mit dir und mit Armor verbunden als Einheit und wenn wir zu dir reden, redest eigentlich du zu dir selbst! Wir sind du, aber ein anderer Teil deines Selbstes, der zu dem Gewissen Teil, den du als dein eigenes Selbst erkennst, redet.<<

>>Hä? Jetzt versteh ich gar nichts mehr!<<, sagte Armenes sich unverständlich fragend am Kopf kratzend. >> Kannst du mir das nicht etwas einfacher erklären?<<

>> Pass auf, wir alle sind Bestandteil ein und des selben „Körpers“, so wie dein linker und dein rechter Arm zwei verschiedene sind, aber dennoch zu deinem Körper gehören. Genauso gehören wir alle als ein Bestandteil zum Körper Gottes und wir alle sind EINS, nämlich mit ihm. Du bist doch ein Lichtwesen, oder?<<

>>Ja, das bin ich.<<, antwortete Armenes.

>>Und was sind wir? Was ist Amor und alle anderen Engel auch und aus was bestehen wir?<<, fragte der Älteste erneut.

>>Wir sind alle Lichtwesen und wir sind aus Licht.<< erwiderte Armenes.

>>Sehr gut erkannt Armenes, wir sind alle Lichtwesen, wenn auch mit unterschiedlichem Aussehen, aber dennoch sind wir alle aus dem gleichem „Stoff“ beschaffen! – Aus Licht!<<, erklärte der Älteste.

>>Ah, jetzt verstehe ich was du damit sagen willst! Wir befinden uns im Licht und wir sind alle aus dem gleichen „Stoff“, nämlich auch aus Licht und da wir alle aus Licht sind, bilden wir eine Einheit.<<, antwortete Armenes stolz, da ihm ein Geistesblitz aufgegangen war.

>>Genau so ist es und das wollte ich damit sagen!<<, lobte der Älteste Armenes.

>>Ja und was ist dann mit denen, wie du sagst, die aus dem sind, was nicht Licht ist?<<, fragte Armenes weiter.

>>Eine noch bessere Frage, die du mir da stellst, aber das kann ich dir nicht einfach nur erklären, dafür sollst du ja schließlich heute in den Tempel der Projektionen gebracht werden, damit dir dies gezeigt und erklärt werden kann.<<

>>Also bist du nun bereit, den Tempel der Projektionen zu betreten?<<

<<Ja, das bin ich!<<, antwortete Armenes voller Enthusiasmus. <<Bitte bringt mich dort hin, ich will unbedingt noch mehr darüber erfahren und wissen!<<

>>Gut, wenn du das wünscht, dann soll es so sein!<<, sagten diesmal alle 24 Ältesten mit zustimmendem Nicken, gleichzeitig wie aus EINEM Mund.

>>Also Amor, du hast unseren wissbegierigen jungen Engel gehört. Bring ihn nun in den Tempel der Projektionen. Wir müssen uns jetzt von euch verabschieden, weil wir heute auch noch vielen anderen Wesenheiten mit wertvollen Weisheiten und Ratschlägen weiterhelfen sollen. Es hat uns wirklich Freude bereitet, unserem aufgeweckten Engel Armenes, in die Weisheit der Illusionen einweihen zu dürfen.<< Mit diesen letzten Worten verabschiedeten sich die 24 Ältesten.

Nun fingen sie an, ihre Augen zu schließen, woraufhin über ihren Köpfen ein großer, bunter Spiralnebel erschien, der sich immer schneller und schneller drehte. Durch die schnelle Drehung des Wirbels entstand ein immer intensiver werdender böiger Wind, der eine extrem starke Sogwirkung erzeugte. Scheinbar durch die Rotation ausgelöst, erschienen nun innerhalb dieses sich drehenden Spiralnebels, Blitze, die wild durch die Luft zuckten. Langsam fingen die 24 Ältesten an, sich vom Boden abzuheben und schwebten nach oben in den Nebel, bis sie sich auf einmal urplötzlich in Luft auflösten und sowohl sie, als auch der Nebel, verschwunden waren.

>>Gut Armenes, dann teleportieren wir uns mal auf den Tempelhof, also den Vorplatz, da das direkte hinein Teleportieren leider nicht geht, weil der Projektor ein so starkes

Energiefeld erzeugt, dass dies unmöglich ist.<<, erklärte

Amor.

>>Ok, dann telportieren wir uns halt auf den Tempelhof.<<, sagte Armenes.

Beide fingen jetzt an, genauso, wie die 24 Ältesten zuvor auch, ihre Augen zu schließen und wieder erschien ein Spiralnebel für den Teleportationstransport, nur diesmal etwas kleiner. Sie wurden von ihm aufgesaugt und schließlich wild durch ein Wurmloch gewirbelt, das von innen aussah, wie wenn sie durch einen knallig bunten Tunnel schweben würden, der sich gegen den Uhrzeigersinn um sie herum drehte. Es ging alles sehr schnell und auf einmal tauchte ein helles Licht am Ende des Tunnels auf. Als die beiden an dem Licht ankamen, hatten sie auch schon wieder Boden unter ihren Füssen.

>>Wow, das sieht ja umwerfend aus! Was für eine herrliche Stadt dort drüben und dieser Vorhof hier ist auch wunderschön<<, sagte Armenes bewundernd.

Im Hintergrund des herrlichen Panoramas war die kristallene Stadt Amethystus zu sehen, die komplett aus Kristall gebaut war. Rings um die Stadt waren Brunnen mit Engelsfiguren aufgestellt, aus denen Honig floss. Viele Türme mit Zwiebeldächern ragten aus der Stadt heraus und 12 gigantisch große Pyramiden, die aus verschiedenfarbigen Kristallen gebaut waren. Die Gebäude hatten unbeschreiblich tolle Farben durch ihre Beschaffenheit, aus Smaragd, Rubin, Saphir, Lapislazuli, Amethyst, Rosenquarz und vielen weiteren Kristallarten. Außerdem wurden die Gebäude nicht aus mehreren einzelnen Teilen gebaut, sondern bestanden aus einem einzigen Stück, als ob diese Kristalle genau in der Form gewachsen wären, wie sie da standen. Die Stadt reflektierte extrem hell und durch die Lichtbrechungen der Kristalle, verwandelte sich die Ganze Umgebung und die Atmosphäre in eine solche Farbenpracht, als wie wenn man mitten in einem Regenbogen stehen würde. Im Zentrum der Stadt befand sich ein großer Sockel, über dem sich ein rautenförmiger riesiger Diamant, schwebend drehte. Dieser Diamant strahlte ein so extrem helles Licht aus, dass er dadurch die komplette Stadt und die Umgebung weit darüber hinaus auch noch beleuchtete.

>>Was ist das für ein riesiger Kristall dort in der Mitte der Stadt über diesem Sockel, der sich so hell leuchtend dreht und die ganze Stadt beleuchtet?<<, fragte Armenes, Armor.

>>Das ist die Quelle, die die komplette Stadt mit Energie versorgt. Er sorgt dafür, dass alles mit Licht beleuchtet wird und treibt jedes technische Hilfsmittel an.<<, antwortete Armor.

>>Und wie funktioniert dieser Energie Kristall?<<, fragte Armenes.

>>Das wissen nur die gelehrten Hüter der Kristalle, aber sie geben ihr Wissen und ihre Weißheit über die Kristalle nur an diejenigen weiter, die ebenfalls als Hüter der Kristalle arbeiten möchten. Sie haben dafür ihre eigenen Ausbildungszentren. Wir haben schon probiert, sie dazu zu überreden, ihr Wissen über die Funktionalität der Kristalle, einfach allgemein in unseren Schulen zu unterrichten, aber sie meinten, dass es genügen würde, wenn wir wissen, wie man die Kristalle bedient und was man alles damit machen kann. Die Technik der Kristalle selber jedoch, sei Sache der Kristallarbeiter, denn wenn jeder sich damit auskennen würde, wären die Hüter nicht mehr notwendig und hätten keine Arbeit mehr.<<, erklärte Armor.

>>Also wenn du genau wissen möchtest, wie die Kristalle funktionieren und warum sie so arbeiten, wie sie es tun, müsstest du dich als Hüter der Kristalle zur Verfügung stellen und dann auch als ein solcher für das Allgemeinwohl arbeiten. Ansonsten reicht es zu wissen, dass genau dieser Kristall nicht nur die Stadt und alles technische darin, sondern auch hier diese Projektionsanlage mit Energie versorgt.<<, ergänzte Armor.

>>Möchtest du noch ein bischen die wunderschöne Aussicht hier genießen, oder können wir dann langsam den Tempel betreten?<<, fragte Armor.

>>Ach ja, stimmt! Vor lauter Faszination über diese

atemberaubende Stadt hier, habe ich das momentan total vergessen. Na klar will ich in den Tempel gehen, deswegen sind wir ja hier.<<, sagte Armenes.

Nachdem sich die beiden nun wieder mit ihren Blicken von der Stadt Amethystus abgewandt hatten, fingen sie an, über den Vorhof zu schreiten, dessen Boden komplett aus goldenen Pflastersteinen bestand. Er war von einer niedrigen Mauer aus kupfernen Steinen gebaut umgeben, vor der ein schmaler Grünstreifen angelegt war, mit sehr farbintensiven, schönen großen Blumen. Sie gingen weiter, auf einen goldenen Torbogen zu, wovon es zwei gab. Einen am Eingang des Tempelvorhofes und genau gegenüberliegend, ein zweiter, in dessen Richtung sie sich gerade hin bewegten. Im Gegensatz jedoch zu dem Torbogen, am Eingang vom Tempelvorhof, durch denn man auch sehr schön die Kristallstadt im Hintergrund sehen konnte, war bei demjenigen, auf den sie zu schritten, komplett der Blick hindurch verwehrt. Es sah aus, wie wenn ein Wasserfall innerhalb des Torbogens, von oben nach unten herabstürzen würde, jedoch gab es keine Pfütze, oder sonst irgendeine Wasserablagerung auf dem Boden. Es erweckte den Eindruck, als wäre der Eingang von einem Vorhang behangen, der komplett aus Wasser bestand.

>>Was ist das für ein eigenartiger wasserähnlicher Schleier dort innerhalb des Torbogens?<<, fragte Armenes, als sie bereits davor standen.

>>Das ist der Zugangsschutzschild, der dafür sorgt, dass niemand den Tempel betreten kann, wenn er nicht dazu berechtigt ist. Er wurde eingerichtet, damit keiner Unfug treiben kann mit der Projektionsanlage<<, erklärte Armor.

>>Und wie wird man dazu berechtigt den Tempel zu betreten?<<, fragte Armenes neugierig.

>>Die Berechtigung wird durch die 24 Ältesten und nur durch sie erteilt. Deswegen musstest du auch zuerst an dem Ritual teilnehmen, bei dem sie dir die Zugangsberechtigung automatisch geistig übertragen haben. Sobald sie zu jemandem sagen, dass er nun in den Tempel der Projektionen gehen darf, kann derjenige einfach hinein gehen.<<, erklärte Armor.

>>Also kann mir dieser Schutzschild nichts anhaben?<<, fragte Armenes ehrfürchtig.

>>Nein, nein, keine Angst. Selbst wenn du keine Zugangsberechtigung hättest, würdest du einfach nur einen Schritt vor dem Schild nicht mehr weitergehen können. Da du aber eine Zugangsberechtigung hast, brauchst du nichts weiter zu machen, als einfach nur hindurch zu gehen.<<, beruhigte ihn Armor.

>>Ich würde mich aber dennoch um einiges wohler fühlen, wenn du als erster durch das Tor gehen könntest, damit ich sehen kann, was dabei passiert.<<, sagte Armenes mit einem skeptischem Blick auf den Wasserschleier.

>>Gut, wenn es dich beruhigt, du kleiner Angsthase, dann gehe ich halt von mir aus zuerst hindurch.<<, sagte Armor mit einem eigenartigen verschmitztem Lächeln.

Er hob sein linkes Bein, um durch den Bogen zu schreiten, und streckte es langsam in den Wasserschleier hinein. Der Fuß, der sich nun innerhalb des Wasserschleiers befand, war jetzt nicht mehr sichtbar. Auf einmal fasste sich Armor schreiend an sein linkes Bein, das jetzt wild zuckte und brüllte dabei: „Hilf mir Armenes, irgendwas hat mich gebissen, da ist was dahinter und will mir den Fuß weg reissen! Aaah!“

Armenes wurde total blass im Gesicht und schaute richtig entsetzt drein.

>>Was soll ich machen?<<, fragte Armenes total hilflos und verzweifelt.

>>Hilf mir! Zieh mich hier raus! Es will mich festhalten! Schnell!<<, schrie Armor.

>>Gib mir deine Hand!<<, befahl Armenes in einem lauten panischen Ton.

Er packte nun die Hand von Armor und zog daran, wie von sinnen, so dass beide rückwärts stolperten und schließlich auf dem Boden landeten. Armor brach in schallendes Gelächter aus, während Armenes noch total schockiert aus der Wäsche guckte, wie wenn er gerade von einem schrecklichem Monster verfolgt worden wäre.

>>Du mieser Mistkerl!<<, blaffte er, Armor an, der sich vor lauter lachen, die Tränen aus den Augen wischte.

>>Herrlich, du hättest einmal dein entsetztes Gesicht sehen sollen! Wirklich eine Sensation.<<, gluckste Armor
triumphierend, während er immer noch nicht aufhören konnte, prustend zu lachen.

Tief Luft holend versuchte er sich wieder zu beruhigen, doch als er in Armenes beleidigtes Gesicht schaute, fing er erneut an.

>>Hilfe, bitte hör auf, so zu schauen! Ich kann nicht mehr!<<, röchelte Armor, während er sich mit den Fäusten auf den Boden klopfend, kugelte vor lachen.

>>Mach so was nie wieder!<<, schimpfte ihn Armenes ernst.

>>Tut mir leid, aber das konnte ich mir nicht verkneifen, nachdem du so ein unglaublicher Angsthase bist.<<, sagte Armor, nachdem er sich wieder einigermaßen gefangen hatte, aber immer noch leicht kicherte.

>>Das finde ich gar nicht witzig!<<, sagte Armenes verbittert.

>>Oh doch, das finde ich schon! Aber wenn du wirklich so eine schreckliche Angst hast, dann mache ich dir einen Vorschlag. Wir gehen einfach gleichzeitig und gemeinsam durch das Tor. Was hältst du davon?<<, schlug ihm Armor vor.

>>Ja und wenn dann doch was passieren sollte? Wenn wir beide gleichzeitig durchgehen, kann der eine dem anderen nicht mehr helfen.<<, sagte Armenes.

>>Da passiert nichts, ich bin doch schon zigmal hindurch gegangen. Es ist einfach nur so, als würdest du durch eine Tür gehen und einen anderen Raum betreten, mehr nicht.<<, beruhigte ihn Armor.

>>Na gut, dann vertraue ich dir mal, obwohl du mir gerade eben den Schock meines Lebens eingejagt hast.<<, sagte Armenes den Kopf schüttelnd, wie wenn er sich dabei fragen würde, warum er sich auf so was nur einlassen würde.

>>Los, nimm einfach meine Hand und auf drei gehen wir dann gemeinsam durch.<<, forderte ihn Armor höflich auf.

Armor, der links neben Armenes stand, reichte ihm nun seine rechte Hand und fragte ihn, ob er bereit sei. Als dieser das bejahte, fing Armor an, bis drei zu zählen, dann ein kurzer stockender Moment, in dem sich beide noch einmal ins Gesicht schauten und schließlich schritten sie gemeinsam durch das Tor. Zuerst verschwanden von Beiden die Beine im Wasserschleier, nachfolgend dann auch der Körper. Vom Tempelvorhof aus gesehen konnte man nun niemanden mehr erblicken, als wie wenn die Zwei von diesem Wasserschleier verschluckt worden wären.